DIY Workshop Nr. 2 – Tagebuch schreiben und Kreativität

DIY workshop Journal schreiben

DIY Workshop Nr. 2 – Tagebuch schreiben und Kreativität

Zusammenfassung:

  • Nahezu alle großen Persönlichkeiten schreiben regelmäßig Tagebuch
  • Das Journal zeigt dir deine wiederkehrenden Schemata auf und hilft dir diese zu lösen
  • Um das tägliche Schreiben zu etablieren braucht es anfangs Disziplin
  • Gezielte Techniken helfen dir über die Möglichkeiten des Schreibens zu reflektieren
  • In deiner täglichen Übung solltest du den Dank für den Tag und deine Leistungen mit einbeziehen

Tagebuch schreiben – eine persönliche Einführung:

Tagebuch oder auch Journal schreiben ist mehr als du glaubst. Es hat seinen Grund, dass fast alle großen Persönlichkeiten der jüngeren Menschheitsgeschichte Tagebuch geschrieben haben. Unabhängig vom Geschlecht oder der Zeit in der sie lebten.

Erinnerungen, positive Lebenseinstellung Selbsterkenntnis, Psychohygiene und kreative Entfaltung sind nur ein paar der unschätzbaren Vorteile die dir diese Praxis bringen wird.

Als ich selbst mit dem Schreiben begonnen habe, war ich auf einer Radtour durch Europa.  Ich hatte mir vorgenommen die zwei Monate nach dem Studium mit mir allein zu verbringen und diese Zeit zu nutzen, um mit Abstand vom Alltag auf mein Leben und meine weiteren Wünsche zu schauen. Dafür war die Radtour der perfekte Aufhänger und das Tagebuch der ideale Begleiter.

In dem Wissen, dass eine neue Routine nur etabliert werden kann, wenn man diese in den ersten Wochen mit Disziplin ausführt, habe ich jeden Abend die für mich wichtigsten Erlebnisse des Tages aufgeschrieben. Schnell hat sich gezeigt, dass ich durchs Schreiben den ganzen Tag bewusster wahrnehme. So hing ich z.B. Anfangs immer wieder in Zweifeln fest, ob nicht doch etwas schiefgeht und ich die Tour abbrechen muss. Mal war es die Sorge um das Knie, dann das Unwetter, der fehlende Schlafplatz oder die bevorstehenden Alpen. Irgendwann wurde mir durchs Schreiben klar, dass den ganzen Tag in meinem Kopf ein neues Jammerszenario stattfindet, dessen Grundlage viel weniger reale Bedrohungen waren, sondern vielmehr einfach die Freude am Jammern und an Sorgen. Nach dieser Erkenntnis wurde mir klar, was für ein mächtiges Instrument ich in der Hand halte. Wenn es mich von der Wehleidigkeit befreien kann, dann geht bestimmt noch mehr.

Seitdem sind mehr als drei Jahre vergangen und das Journal ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ich schreibe morgens und abends, nahezu ausnahmslos. Jeden Tag ca. 30 Minuten. Als passionierter Optimierer könnte ich mich hier in aller Ausgiebigkeit darüber ausbreiten, was sich in dieser Zeit alles zum Positiven verändert hat. Für dich will ich es aber übersichtlich und knackig gestalten.

Vorteile des Tagebuch Schreibens:

Selbsterkenntnis: Du lernst dich beim Schreiben selbst besser kennen. Sich wiederholende Schemata erkennst du und hast sie oft dadurch schon fast gelöst.

  • How to: Notiere deine Gedanken auch zwischendurch immer wieder. Stelle dir die Frage: Was beschäftigt mich gerade? Du wirst schnell erkennen, dass bestimmte Gedankenmuster ungebeten in deinen Alltag eingetreten sind und du ohne sie wahrscheinlich viel  besser dran wärst.

Abstand gewinnen: Wenn du besonders emotional bist, z.B. voller Groll auf einen Kollegen, hast du beim Schreiben die Möglichkeit deine Gedanken von außen zu betrachten und so einen kraftvollen Keil zwischen dich und diese zu schieben.

  • How to: Gerade in solchen Situationen schreit der gequälte Geist oft nach Ablenkung und will dir einreden deine Wut rauszulassen und einen Streit zu entfachen oder dich mit Schokolade, Alkohol oder einem Film abzulenken. Damit unterdrückst du das Gefühl vielleicht, aber es kommt bald wieder. Versprochen. Wenn du aber einfach einmal nicht reagierst, dein Tagebuch zückst und beginnst offen über deine Emotionen zu schreiben, dann wirst du wahrscheinlich sehr schnell ruhiger werden und die Situation aus verschiedenen Perspektiven betrachten können.

Selbstcoaching: Du willst etwas Bestimmtes erreichen, z.B. möchtest du mehr Sport treiben oder öfter kreativ arbeiten? Das Journal ist dein bester Gradmesser. Bestimme für einen bestimmten Zeitraum eine bestimmte Tageszeit, zu der du deine Fortschritte (oder auch Rückschritte) auf diesem Gebiet notierst. Sei genau, schreibe z.B. auf, wie lange du Sport getrieben hast, wie du dich dadurch fühlst und was du an diesem Tag gegessen hast. Auch, wenn du keinen Sport gemacht hast und Schokolade gegessen hast, schreibe das auf. Verurteile das nicht und motiviere dich für den nächsten Tag.

Positive Einstellung: Wir alle möchten glücklich sein. Und doch reden wir ständig von Dingen, die uns stören. Wir halten das dann auch noch für politisch oder besonders scharfsinnig. Ist es aber nicht meistens so, dass diese Negativität eigentlich nur eine Ausprägung der Faulheit und Ängstlichkeit ist? Wie leicht fällt es schlecht über andere zu sprechen und wie schnell findet man dafür Anklang in der Kaffeepause. Du siehst also, Negativität hat oft einen festen Platz in unserem Alltag, den wir durchaus genießen. Und dazu kommt, dass es für uns evolutionär wichtig war, dass wir Gefahr erkennen und mehr als die Schönheit um uns wahrnehmen. Doch da ist auch die Leere, das unbestimmte Gefühl, dass das nicht die Kunst des Lebens sein kann. Der Säbelzahntiger ist auch ausgestorben und wir können auch ohne ständige Angst überleben. Also tun wir es doch einfach.

  • How to: Notiere jeden Abend mindestens 3 Dinge, für die du an diesem Tag dankbar bist. Diese sollten sich unterscheiden und neu sein. Stelle dabei für jeden Dank folgende Fragen: Wofür bin ich dankbar? Was genau macht mich daran dankbar? Wie fühle ich mich dabei? Wie fühle ich mich dadurch? Beantworte die Fragen immer im Präsenz (z.B. Ich bin dankbar für…)

Selbstbewusstsein: Es gibt Menschen, die suchen den ganzen Tag nach Anerkennung, aber egal wieviel sie bekommen, sie fühlen sich abends klein und unbedeutend. Am Ende ist es nicht entscheidend, was die anderen über dich sagen, du musst dich selbst schätzen und dir Anerkennung geben. Nur, wenn du diese Selbstliebe entwickelst, kannst du dich wirklich entfalten und anderen aufrichtige Anerkennung weitergeben. Zum Glück kann das Tagebuch auch hier helfen deine Gedanken zu formen. Die Anleitung ist ganz ähnlich zu der Dankeskultivierung (s.o.).

  • How to: Notiere jeden Abend mindestens 3 Dinge, für die du an diesem Tag gut gemacht hast. Diese sollten sich unterscheiden und neu sein. Stelle dabei für jeden Punkt folgende Fragen: Was mache ich besonders gut/ was leiste ich? Inwiefern habe ich bereichere ich dadurch mein Leben und das Leben meiner Mitmenschen? Wie fühle ich mich dadurch? Beantworte die letzten beiden Fragen immer im Präsenz (z.B. Ich bin heute 30 Minuten gejoggt. Dadurch bin ich wacher und gebe meinem Partner etwas von meinem Elan und meiner guten Laune ab…)

Kreatives Schreiben: Alle bisher beschrieben Übungen entfalten sich zu mehr Kreativität und Inspiration. Da gibt es keine Trennung. Wenn du dich selbst mehr erkennst, dir die schönen Seiten des Lebens und von dir selbst bewusster machst, dann kommst du gar nicht darum herum unglaublich viel schöpferische Energie freizusetzen. Kreativität bedeutet in erster Linie Präsenz und Einklang. Alles ist schon da. Darüber hinaus kriegst du Varianten für die kreative Entfaltung. Suche dir aus, was am besten zu dir passt. Ideal ist, du probierst alles einmal und wählst dann.

Spontanes schreiben: Nehme dir 10 Minuten Zeit. Werde dir für 3 Minuten lang dem Raum um dich, den Farben, Gerüchen und deinem Körper in diesem Raum bewusst. Dann beginnst du für den Rest der Zeit einfach zu schreiben. Kein festes Thema. Setze nur kein einziges Mal ab und beobachte den Fluss. Danach werden die Ideen nur so sprudeln.

Kurzgeschichte: Denke dir je ein Thema einen Ort und eine Tageszeit aus. Z.B. Evolution, Australien, Mittag. Schreibe dazu eine Kurzgeschichte auf. Beschränke dich nicht. Lass deinen Gedanken freien Lauf. Die Geschichte gehört nur dir und muss niemanden sonst gefallen.

Collage: Ein Tagebuch ist nicht nur zum Schreiben da. Nehme dir eine alte Zeitschrift, einen Prospekt o.ä. indem du viele Bilder findest. Wähle blind eine Seite aus und nehme das was du siehst als Ausgangspunkt für eine Geschichte. Schneide dazu weitere Bilder aus, schreibe Text dazwischen oder Male einzelne Elemente der Geschichte. So verbindest du verschiedene Sinne miteinander.

DIY Workshop Tagebuch schreiben to dos (Small)

Dein Plan

Das wichtigste beim Schreiben ist die Konstanz. Am Anfang braucht es wahrscheinlich immer wieder Disziplin, um anzufangen. Lasse daher in den ersten drei Wochen keinen einzigen Tag aus. Verpasst du einen Tag, beginne wieder von vorn. Achte aber nach dem Anstoß darauf, dass du es genießt. Das Schreiben ist für dich und ein Geschenk für dein Leben. So soll es sich auch anfühlen.

Woche 1 – reinkommen: Nehme dir morgens oder abends je 15 Minuten Zeit. Teste beides und bleibe dann am besten bei der für dich geeigneten Tageszeit (oder schreibe morgens und abends je ein paar Minuten). Schreibe 10 Minuten frei über deinen Tag, bringe zu Papier was dir in den Kopf kommt. Z.B. wie du dich gerade fühlst. Wenn dir nichts einfällt, fange mit Beschreibungen an (Ich sitze in der Bahn auf dem Weg nach Hause, es ist kurz nach 7…). Nehme dir dann fünf Minuten, um je drei Dinge aufzuschreiben, für die du dankbar bist und die du gut gemacht hast (s.o).

Woche 2 – probieren: Nehme dir täglich 20 Minuten Zeit für dein Journal. Probiere jeden Tag eine neue Art des Schreibens (s.o.). Schaue, dass du nach einer Woche alle Arten einmal probiert hast. Auch alle drei Arten kreativ zu schreiben. Vielleicht möchtest du dir dafür etwas mehr Zeit gönnen, etwa am Wochenende!? Die letzten fünf Minuten bleiben, um je drei Dinge aufzuschreiben, für die du dankbar bist und die du gut gemacht hast (s.o).

Woche 3 – stabilisieren: Herzlichen Glückwunsch. Du bist auf dem besten Weg das Tagebuch zum Teil deines Lebens zu machen. Du kennst jetzt schon ein paar Techniken und hast sie für dich probiert. Diese Woche dient zur Verankerung der Gewohnheit. Du bleibst bei den 20 Minuten täglich, suchst dir aber jetzt selbst die Themen und Techniken aus. Schreibe einfach die ersten 15 Minuten wie es dir passt und gut tut. Natürlich kannst du dich jederzeit wieder an den beschriebenen Techniken orientieren, wenn du das möchtest. Als einzig festes Ritual solltest du die 3 Dinge für die du heute dankbar bist und die drei Dinge, die du gut gemacht hast nehmen.

Du hast zu Ende gelesen? Dann weißt du was zu tun ist. Schnapp dir einen Stift und lege los. 😉 Um deine Freude zu steigern, solltest du ein Journal besorgen, dass du besonders gerne benutzen wirst. Entweder du bastelst dir selbst eines oder du gönnst dir etwas Feines. Ich persönlich schwöre auf die Bücher von Leuchtturm. Von der Nummerierung, bis hin zu Schmierblättern am Ende ist an alles gedacht.

In diesem Sinne: Nehme dieses Geschenk mit in dein Leben. Du tust es für dich. Alles Gute auf dem Weg wünscht dir

Dein HiG Team

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