DIY Workshop Nr. 4 – Meditation und Kreativität

DIY Workshop Nr. 4 - Meditation und Kreativität

DIY Workshop Nr. 4 – Meditation und Kreativität

Zusammenfassung:

  • Meditation bedeutet sich diesem Moment bewusst zu werden
  • Es geht darum Bilder und Vorstellungen loszulassen & Abstand zu gewinnen
  • Wer einmal anfängt, den lässt die Erfahrung nie wieder ganz los
  • Meditation in der Gruppe schafft Raum für bessere Kommunikation und Kreativität
  • Suche dir für die Meditation einen ungestörten Platz und beobachte deinen Atem
  • Wichtiger als einzelne Höchstleistung ist die Konstanz: Meditiere mindestens 3 Wochen jeden Tag und ohne Unterbrechung

Bevor du diesen Text liest werde dir für einen Moment dem Raum bewusst, in dem du sitzt. Bemerke diesen Moment und wie er sich um dich herum entfaltet. In dem Ort an dem du dich befindest, in den Menschen und Geräuschen um dich. Komme langsam zu dir. Spüre deinen Körper, deinen Atem und richte dann den Blick ganz bewusst auf den Bildschirm vor dir.

Bei der Erfahrung mit der Meditation geht es darum Bilder über die Welt und über sich selbst loszulassen. Von den Wertungen und Ideen Abstand zu nehmen. Daher ist die  Beschreibung dieser Erfahrung mit Aufmerksamkeit zu genießen und auf keinen Fall eine Anleitung was man sehen oder erleben sollte. Für den Einstieg beginnen wir dennoch mit einer persönlichen Erfahrung. Die Meine ist geprägt von zwei Meditationskursen, die jeweils 10 Tage gedauert haben und mit strengen Regeln einhergingen (keine Konversation, keine persönlichen Gegenstände, 4 Uhr Weckruf, 11 Uhr das letzte Essen für den jeweiligen Tag) die ich als Student mitgemacht habe. Eher intuitiv habe ich meine Sachen gepackt und bin alleine zu dieser Erfahrung, die bis heute mein Leben prägt, aufgebrochen. Es ist eine Tür, die, wenn sie einmal wirklich geöffnet ist, immer einen Spalt offen bleibt. So habe ich über die Jahre immer wieder bemerkt, wie sehr sich meine Art zu reagieren oder auch nicht reagieren geändert hat. Die Ruhe im Alltag, ein bisschen weniger Drama und ein bisschen mehr drüber lächeln. Ohne die tägliche Meditationspraxis (lange waren es 1-2 Stunden, heute 15-30 Minuten) ist mein Alltag spürbar anders. Der Gewinn ist schwer zu umreißen. Vor allem bedeutet es immer wieder bewusst zu werden. Zu reflektieren und Abstand zu gewinnen. Von dem was geschieht, den eigenen Emotionen und Ansichten. Für mich ist dies das wahre Gefühl von Freiheit. Der Moment, des Bemerkens, dass man aussteigen kann aus dem Kopf, dass man nicht Sklave seiner Gedanken sein muss, dass man agieren statt reagieren kann. Und dass diese Momente nicht nur heilen, sondern auch sofort Auswirkungen auf den Gegenüber haben.  

Es wird dich nicht verwundern, dass die gemeinsame Meditation besonders kraftvoll ist. Vielleicht hast du ja selbst auch schon diese Erfahrung gemacht. Ob mit deinem Partner, Freunden oder in einer Gruppe. Bei Hand im Glück ist es mittlerweile unser festes und unumstößliches Ritual jeden Morgen 15 Minuten zusammen zu sitzen und zu meditieren. Erst dann starten unsere Besprechungen. Auch hier ist es eine Entscheidung die nicht nur das Wohlbefinden der Einzelnen, sondern auch die Zusammenarbeit transformiert. Jeder kann den Schmutz vor seiner eigenen Tür kehren, bevor er hinaustritt und den Dreck in die Häuser der anderen trägt. Für uns bedeutet das weniger Ego bei den Entscheidungen, mehr Konzentration, mehr Übersicht, mehr Zuhören und nicht zuletzt mehr Raum für kreative Ideen.

Du kennst das bestimmt. Du grübelst über etwas, das keine vorgegebene Lösung hat, die man mithilfe des Taschenrechners herausfinden könnte. Etwas, dass neu entstehen und sich erst verbinden muss. Und desto mehr du dich anstrengst, desto weniger klappt es. Und dann machst du einen Spaziergang oder einen Einkauf und da ist es. Scheinbar aus dem Nichts erscheint die Lösung nachdem du losgelassen hast. Nachdem Raum da war. Und die Meditation? Ist kein Spielfeld fürs Ideennachjagen. Ganz im Gegenteil. Sie schafft den Raum, den du dir sonst vielleicht nicht gönnst. Und vor allem sie schafft Aufmerksamkeit und Abstand im Alltag, der dir wiederum erlaubt kreativ zu sein.

Also wenn du dir, deinem Leben und den Menschen um dich herum ein unschätzbar wertvolles Geschenk machen willst hast du vielleicht schon eine Idee davon, was du tun könntest. 

Die Übung

  1. Suche dir einen Platz/ Raum in dem du für den Zeitraum der Mediation ungestört bist und schalte Handy und alles  potentiell Störende aus. Falls du etwas übersiehst oder nicht kontrollieren kannst: Auch gut, lass es geschehen, beobachte und reagiere einfach einmal nicht.
  2. Setze dich so hin, dass du die Position für mindestens 10 halten kannst. Weniger wichtig ist wie du sitzt. Allgemein bewährt ist der einfache Schneidersitz auf Kissen, muss aber nicht sein. Nur dein Rücken und dein Hals sollten gerade sein. Das hilft bei der Konzentration.
  3. Schließe die Augen bewusst, spüre kurz wie du sitzt und deinen Körper.
  4. Fange nun an deinen Atem zu beobachten. Beobachte den Bereich zwischen Nase und Oberlippe, da wo bei Männern der Schnurrbart sitzt. Kannst du deinen natürlichen Atem dort spüren? Falls ja, beobachte einfach. Wo trifft der Atem auf die Haut? Falls du den Atem nicht spürst Atme drei Mal bewusst tief ein und aus. Hast du etwas gespürt? Sonst vergrößerst du den Bereich. Folge dem Atem durch die Nase in die Lungen. Und dann verkleinere ihn immer weiter. Schärfe deine Konzentration.
  5. Bewege dich nicht. Lass es jucken, wehtun usw. Komme immer wieder zum Atem. Auch ein eingeschlafenes Bein stirbt in 10 Minuten nicht ab.

Wichtig: Es gibt keine gute Meditation und keine schlechte. Auch wenn du dich an einem Tag öfter in Gedanken versinkst oder wenig spürst ist das nicht schlecht. Wirklich entscheidend ist dein Gleichmut. Beobachte einfach. Deinen Fortschritt bei der Meditation und im Alltag misst du zuerst am Grad des Gleichmuts. Verstehst du, dass die Dinge zuerst einfach so sind wie sie sind? Siehst du, dass dein Widerstand und deine Wertung keinen Unterschied machen? Verstehst du, dass der Grad deines inneren Glücks nicht teilweise, sondern zu 100% von dir selbst abhängig sind (keine Sorge, auch hier geht es um die Annährung an dieses Verständnis).

Dein Plan

Es geht nicht um einzelne Höchstleistungen, sondern um Konstanz. Gewöhne dich an das Ritual, lasse aber keine Ausnahmen zu. Plane jeden Morgen deine Meditation ein. Stehe früher auf, fange mit den anderen Dingen später an oder nehme dir die letzten Minuten des Tages. Nur: Gib dem Thema für drei Wochen oberste Priorität. Starte in der ersten Woche mit 10 Minuten Meditation. Das genügt für den Einstieg. Finde heraus wie du dich am besten setzt und disziplinierst. In der zweiten Woche erhöhst du deine Einheit auf 15 Minuten. Beobachte deinen Alltag merkst du einen Unterschied? Warst du manchmal Aufmerksam und hast du den Moment wahrgenommen? Hast du manchmal agiert, anstatt sofort zu reagieren? In der dritten Woche kannst du bei den 15 Minuten bleiben. Du nimmst spätestens jetzt im Alltag kleine Auszeiten und atmest bewusst ein und aus. Diese letzte Woche dient vor allem der Verankerung im Alltag. Wenn du etwas drei Wochen jeden Tag und ohne Ausnahme machst, dann wird es für dich zur Normalität. Lasse danach keine Lücken von mehr als einem Tag zu. Bleib dran. Und wenn du innerhalb dieser drei Wochen einen Tag versäumst, startest du einfach am nächsten Tag wieder neu mit den drei Wochen.

In diesem Sinne: Nehme dieses Geschenk mit in dein Leben. Du tust es für dich. Alles Gute auf dem Weg wünscht dir

Dein HiG Team

Zusatzinfo zu der beschriebenen Vipassana-Meditation:

Hier finden die Kurse statt (alle Kurse laufen sind gratis für den Meditierenden, inkl. Unterkunft, Anleitung und Verpflegung – jeder spendet nachher anonym was er will und kann):

https://www.dhamma.org/de/schedules/schdvara

In diesem Video seht ihr, wie die Technik großflächig in indischen Gefängnissen eingesetzt wird und etwas über die Auswirkungen:

 

Ein Kommentar zu DIY Workshop Nr. 4 – Meditation und Kreativität

  1. craftmania 22. September 2017 at 20:03 #

    Richtig guter und interessanter Artikel 🙂 Meditation sollte sich meiner Meinung nach auch viel mehr etablieren.

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