DIY als ein Stück Selbstheilung – Kreativsein mit MS

Uhr als Kette selbst gemacht von Verena von SombreroCrafts

DIY als ein Stück Selbstheilung – Kreativsein mit MS

Verena schreibt auf ihrer Facebook-Seite im Info-Text: „Im Jahr 2008 wurde bei mir die wunderbare MS (Multiple Sklerose) diagnostiziert. 
Ich bin seit dem durch viele Höhen und Tiefen gegangen wobei meine Kreativität im Laufe der Zeit immer wichtiger und wertvoller für mich wurde.“

1. Klingt jetzt nach einer dummen 1. Frage, aber was meinst du mit „wunderbare MS“? Ist es schlicht und ergreifend ironisch?

Verena: >>Die Frage ist nicht dumm, sondern zeugt von Interesse. 🙂 Die „wunderbare MS“ ist sehr ironisch gemeint. Ich bin seit 2008 an der Krankheit Multiple Sklerose erkrankt. Bei MS handelt es sich um eine chronische, autoimmune Erkrankung des Nervensystems. Dabei werden Entzündungen in Rückenmark oder Gehirn produziert, die das Immunsystem dann bekämpft. Die Symptome sind nie die selben, weshalb man sie auch „die Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ nennt.

Insofern habe ich mir Im Laufe der Zeit einen Galgenhumor angeeignet, der so manches erträglicher macht. 🙂

 

2. Was bedeutet Kreativität für dich? Was schöpfst du aus Kreativität?

Verena:>>Kreativität bedeutet für mich Abschalten zu können. Dabei lasse ich mich fallen und konzentriere mich nur auf das, was ich geplant habe und wie ich das am besten umsetzen kann. Daraus ziehe ich meine Kraft, den Job und Alltag unter einen Hut zu bekommen.

 Bastelzange zum Schmuck selber machen, Interview mit Verena, Multiple Sklerose erkrankt, DIY Loverin (1) (Small)

3. Wie kamst du zum Basteln?

Verena:>>Ich war schon immer kreativ und habe gehäkelt, gestrickt, geschneidert oder mich im kreativen Schreiben versucht.
Nach einem Schub hatte ich Probleme mit der Feinmotorik und fühle seit dem weniger an den Handinnenflächen und Fingern. Man kann sich das so vorstellen, als ob man durch eine dünne Plastikfolie, wie Frischhaltefolie, fühlt. Eine Ergotherapeutin empfahl mir, die Feinmotorik zu trainieren. So kam dann eines zum anderen: Aus einer kaputten Kette und einer geliehenen Zange wurden ein schickes Armband und inzwischen eine Leidenschaft.

 

 4. Was bastelst du?
Verena:>>Ich fertige Schmuck mit viel Liebe und Herz. Meine Bandbreite reicht von klassischen Stücken, wie einem Haarkranz für eine Hochzeit, bis hin zu individuellen Aufträgen, wie einem Katzenohren-Haarreif aus Draht.
Seit einiger Zeit mache ich auch Anhänger aus Glasphiolen, die ich mit den verschiedensten Inhalten fülle, auch gerne als Auftragsarbeiten.

Interview mit Verena, Multiple Sklerose erkrankt, DIY Loverin (4) (Small)

 5. Was hast du beruflich vor der Diagnose gemacht?
Verena:>>Vor der Diagnose war ich Schülerin. Die MS hat mich während meiner Abiprüfungen erwischt und hat erst einmal für Wirbel gesorgt. Ich machte dennoch meine Ausbildung in einem Buchverlag und war danach dort noch zwei weitere Jahre tätig. Inzwischen bin ich Sachbearbeiterin im Produktinformations-Management und schreibe dort u. a. Texte für Onlineshops.

 

6. Hat die Diagnose schlagartig dein Leben verändert?
Verena:>>Ja und nein. Ja, da ich meinen beruflichen Werdegang eigentlich bereits eingetaktet und vorausgeplant hatte. Mein Fokus lag auf Karriere und Unabhängigkeit. Das wurde natürlich mit der Diagnose umgeworfen.

Nein, weil die meisten Änderungen im Laufe der Zeit kamen. Ich veränderte mich, wurde erst schwächer, dann stärker. Mit mir änderte sich auch der Freundeskreis. Inzwischen habe ich einen handverlesenen Kreis an Menschen für die ich durchs Feuer gehe, und sie auch für mich. Dafür bin ich dankbar. 🙂

 

7. Du gehst sehr offen mit deiner Krankheit um, war das von Anfang an so?

Verena:>>Nein, es fiel mir am Anfang sehr schwer darüber zu sprechen. Im Job habe ich es natürlich mitgeteilt, da ich keine Unwahrheiten über meine Abwesenheitszeiten kommunizieren wollte.

Inzwischen gehe ich offener damit um und möchte damit auch Neuerkrankten zeigen, dass auch das Leben mit Handicap schön und erfüllt sein kann. Gleichzeitig möchte ich mich für die Wahrnehmung der Krankheit einsetzen. Man sieht mir die Handicaps nicht an, aber sie sind trotzdem vorhanden.

 Interview mit Verena, Multiple Sklerose erkrankt, DIY Loverin (3) (Small)

8. Wie motivierst du dich oder hast du sogar sowas wie ein Lebensmotto?
Verena:>>
Ein Lebensmotto? Da könnte ich mehrere aufzählen. Meine Lebenseinstellung ist, dass ich versuche auch aus Negativem etwas Positives zu ziehen.

Ich mache das Beste aus dem was gerade passiert.

„Am Ende wird alles gut, ist es nicht gut, ist es noch nicht das Ende.“ und „Hinfallen, aufstehen, Krone wieder richten, Kleidchen richten und weiter gehen.

 

9.Wie sieht dein Alltag aus?

Der sieht fast normal aus. 🙂
Job, Freund und Freunde, Crafting. Natürlich darf meine Entspannungszeit nicht zu kurz kommen. Doch die deckt sich meistens mit der Crafting-Time. Weiter mache ich etwas Sport und lege Wert auf eine ausgewogene Ernährung.

Interview mit Verena, Multiple Sklerose erkrankt, DIY Loverin (2) (Small)

10. Was hast du als nächstes vor, wie geht es für dich weiter?

Auf künstlerischer Seite arbeite ich gerade an meinem Onlineshop, möchte ich gerne dieses Jahr noch auf ein paar Märkten ausstellen sowie einen Goldschmiedekurs machen.
Auf nicht-künstlerischer Seite hoffe ich, dass es mir gesundheitlich weiterhin gut geht.

Das wünschen wir dir auch liebe Verena – mit viel Power und Kreativität kann es weitergehen!

 

Foto: Titelbild von Marie Endres

Verenas Facebook Seite PinkSombrero Crafts findet ihr hier.

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3 Kommentare zu DIY als ein Stück Selbstheilung – Kreativsein mit MS

  1. Jascha 8. September 2016 at 10:21 #

    Gefällt mir sehr gut. Danke fürs Teilen mit uns!

  2. sandradiy 5. September 2016 at 12:43 #

    Beeindruckende Geschichte. Ich ziehe meinen Hut vor dir! Weiter so und Danke!

  3. Barbiy 29. August 2016 at 16:44 #

    Stark von dir!

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