KREATIVPORTRAIT: Gloria häkelt Musik.

Titelbild Interview Gloria Sophie Wille bei Hand im Glück DIY Community

KREATIVPORTRAIT: Gloria häkelt Musik.

Charlott und Evgenja aus eurem Hand im Glück Team haben bei den „Camp Breakouts“ (den Ferienlagern für Erwachsene) im letzten Monat DIY-Kollegin Gloria Sophie Wille kennengelernt. Gloria hat im Camp für Alltagsausreißer Häkel- und Ukulele Workshops gegeben.

Gloria Sophie Wille Häkelworkshop Camp Breakout Hand im Glück (Small)

Heute erzählt Gloria uns von sich und was sie so macht, wenn sie nicht gerade im DIY-Auftrag für´s Camp Breakout unterwegs ist 😉

 

  1. Wo hast du das Häkeln gelernt?

Gloria: >> Bei uns liegt das in den Genen 😉 Ich bin mit meiner Mutter und meiner Großmutter aufgewachsen und da wurde täglich gehandarbeitet.

Meine Mutter hat damals jegliche Kleidung für mich gestrickt und gehäkelt- von Stramplern bis hin zu Sommerjacken. Noch heute frage ich meine Mutter nach Rat, wenn ich vor einem Maschen-Problem stehe und nicht sehe, wo der Fehler sein könnte. (Und andersrum ist es mittlerweile genauso.)

 

  1. Du häkelst Musik?

Gloria: >>Genau. Das bedeutet, dass jedes meiner Projekte auf ein Lied aufbaut.

Jeder kennt das: es gibt ein Lied, das mir so gut gefällt, dass ich drei Stunden am Stück damit verbringe, einzig dieses Lied zu hören. Irgendwann fange ich dann an, dieses Lied auseinanderzupflücken: welche Akkorde werden genutzt, was ist das für ein Instrument im Hintergrund, wie kann ich den Text in einem Kleid darstellen? Das schreibe ich mir dann auf und suche nach Häkelmustern und -schriften, die diese einzelnen Teile darstellen können. Am Ende setze ich die Muster, die aus den Tönen entstanden sind, dann wie ein Puzzle zu einem neuen Design zusammen.

Später wird dann das fertige Kleid fotografiert; immer noch in Anlehnung an das Kleid – Häufig finden sich z.B. Textzeilen wörtlich in den Fotos wieder.

Meist habe ich dann schon eine konkrete Geschichte dazu im Hintergrund: wer könnte diese Person sein für die/ über die gesungen wird? Ich mache das Lied mit meiner Kunst quasi greifbar und gebe ihm meine eigene Interpretation.
Am Ende steht dann ein Projekt aus Kleid, Fotografie, Geschichte und Hörspiel, was man sich online auf meiner Website anschauen kann – alles entstanden aus einem einzigen Lied.

Hier könnt ihr Fotos in dem Video sehen und die dazugehörige Kurzgeschichte zu meinem Kleid „Chasing the Sun: ‚Frances‘ “ hören:

Auf meiner Website könnt ihr auch noch mehr sehen und hören…

  1. Deine Kunst nennt sich „Crochet Art Design“ und außerdem häkelst du Brautkleider. Du häkelst also Kleidung, die von Musik inspiriert wird und jeder tragen könnte?

Gloria:>>Ja. Nun, die Crochet Art Design Projekte (zu deutsch Häkel Kunst Design) sind schon sehr speziell und gehören vielleicht eher in die Kategorie Haute Couture. Tragen könnte sie aber sicherlich jede*r, dem/der’s gefällt. J

Meine gehäkelte Brautmode, entstand übrigens ebenfalls aus einem Lied. Ich hörte „All in White“ von The Vaccines und da dachte ich mir: Häkelste doch mal ein Brautkleid. So kam ich dann dazu, Brautmoden zu häkeln. Von da aus war es dann nur ein kleiner Schritt in die Richtung zum Kunstdesign und zu dem, was ich heute mache.

Goria Sophie Wille mit Schirm Hand im Glück (Small)

  1. Wie hat sich dein Kreativ-Prozess entwickelt?

Gloria:>>Das war ein recht langer Findungsprozess. Musik war schon immer ein großer Teil meines Lebens, eine Flucht, eine Ordnung, wenn mir das reale Leben zu unübersichtlich wurde.

Letztendlich gab es drei Stränge in meinem Leben, die parallel gelaufen sind und bei denen es nur eine Frage der Zeit war, dass sie zusammenfinden.
Da ist zum einen die Musik (ich selbst habe Orgel, Querflöte und Gitarre gelernt und spiele die Ukulele), zum anderen die Handarbeit, die mich in der frühen Kindheit und dann wieder ab dem 22. Lebensjahr begleitet hat. Als dritter Strang kommt das Schreiben von Geschichten dazu, was ich auch als Kind schon gern gemacht habe.

Airwaves Gloria Sophie Wille Hand im Glück (Small)

  1. Bist du hauptberuflich Künstlerin?

Gloria:>>Nun, ich würde sagen, dass ich Vollzeitkünstlerin bin, aber (noch) nicht hauptberuflich. 😉

  1. Was inspiriert dich?

Gloria:>>Hauptsächlich die Musik. Allerdings spielen auch viele andere Komponenten eine große Rolle. Anfang diesen Jahres habe ich beispielsweise in einer Geflüchtetenunterkunft im Service gearbeitet – mit einigen Geflüchteten habe ich noch Kontakt und lasse mir Schachspielen beibringen (neben dem regelmäßigen Joggen eines der Dinge, die ich wirklich nicht gut kann). Da redet man über die Flucht, Essen und die Liebe – da fügt sich zum Beispiel mein nächstes Projekt ein.

Viele Werke entstehen natürlich auch mit Einfluss von persönlicher Erfahrung.

Manchmal ist es aber auch nur ein blaues Bild, die Biographie eines Musikers, ein altes Handarbeitsbuch, das ich auf dem Flohmarkt finde, oder wie ich damit umgehe, dass sich meine Lieblingsband getrennt hat. 😉 Vielleicht ist es verallgemeinert am besten zu beschreiben, dass mich Geschichten und Gefühle inspirieren. Seien sie gesungen, erzählt, gemalt, oder erlebt. Wir verbringen so viel Zeit damit, Musik zu konsumieren, und vergessen dabei, sie zu zelebrieren.

  1. Was hast du als nächstes vor?

Gloria:<<Ich stehe gerade vor der Fertigstellung meines dritten Kleides „Lily“ zu Lord Huron’s „Fool For Love“ – das Lied selbst erinnert sehr an den Wilden Westen, weshalb das Kleid auch ein Saloon- Kleid wird. Da habe ich beispielsweise eine 1284 Maschen lange Luftmaschenkette gehäkelt, die jetzt noch auf die Rückseite des Kleides genäht werden muss. 1284, weil das die Anzahl der Töne ist, die ich während des Hörens wahrgenommen habe.

Gloria Sophie Wille bei Hand im Glück Kleid Lily

Gloria Sophie Wille bei Hand im Glück
Gloria Sophie Wille Logo Crochet Art Design Hand im GlückIm November wird es eine erste kleinere „Gloria Sophie Wille“ – Ausstellung in Hamburg in der K-OZ Galerie in der Schanze geben geben, bei der ich unter anderem mein neuestes Kleid „Lily“ vorstellen werde. Im kommenden Jahr würde ich dann gerne eine Ausstellung mit insgesamt etwa sechs Projekten verwirklichen. Dafür laufen die Vorbereitungen gerade auf Hochtouren 😉

 

8. Wieso bist du bei Hand im Glück dabei?

Gloria: >>Ich finde den Spirit von Hand im Glück einfach toll. Jede*r kann zur/zum Kreative/n werden, sich Inspiration holen und sich – und das finde ich am wichtigsten – austauschen. Deswegen gefällt mir das Häkeln auch so besonders gut. Mit Sicherheit ist das Häkeln eher ein „Einzelsport“, aber es gibt so eine große Community mit vielen Gleichgesinnten. Durch den Austausch entwickelt man sich weiter, bekommt neue Ideen. Deswegen gebe ich mein Wissen auch so gerne in Kursen und Workshops weiter. Vor einiger Zeit habe ich zum Beispiel eine Nachricht von einer ehemaligen Kursteilnehmerin bekommen, die zunächst an ihrer Häkelmütze verzweifelt war, nun aber Wintermützen für die gesamte Familie ihres Freundes gehäkelt hat. Sie ist mit anderen Teilnehmer*innen in Kontakt geblieben und gemeinsam haben sie sich weiterentwickelt. Solche Nachrichten machen mich dann natürlich immer ganz besonders fröhlich. ?

Diese Häkelmützen haben wir übrigens im Camp Breakout gemacht: selbst gehäkelte Mützen Hand im Glück (Small)

Uns diese süße Häkelrose für´s Haar habe ich schon als Anleitung hochgeladen 🙂 Viel Vergnügen beim Häkeln wünsche ich euch Lieben! 🙂

Häkelrose-im-Haar-Hand-im-Glück-1

 

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